Geteilte Freude ist doppelte Freude – ein Testlauf in der schönen neuen Arbeitswelt

Dass ständiger Wandel nicht erst Merkmal unserer modernen Gesellschaft ist, beweist uns Johann Wolfgang von Goethe, der schon 1809 in “Die Wahlverwandtschaften” schrieb: “Unsere Vorfahren hielten sich an den Unterricht, den sie in ihrer Jugend empfangen, wir aber müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen, wenn wir nicht ganz aus der Mode kommen wollen”.
Mehr als 200 Jahre später können wir über Goethes “alle fünf Jahre” wohl angesichts des derzeitigen Tempo in der Entwicklung neuer Technologien und der täglich sich enger vernetzenden Globalisierung nur lächeln und auch seine Formulierung “nicht ganz aus der Mode kommen wollen” = ein Euphemismus.

Denn ein permanentes lebenslanges Dazu-Lernen ist - vor allem mit Blick auf den Arbeitsmarkt - sowohl für den Einzelnen als auch für große Organisationen mittlerweile überlebenswichtig und deswegen nicht selten auch schon selbstverständlich geworden.
Die sich ständig wandelnden Grundvorraussetzungen sind für alle gleich – ob Einzelner oder Organisationen – und auch deren Auswirkungen auf die Akteure ähneln einander sehr. Geht es aber um den Umgang mit diesem Wandel – um die Gestaltung der Existenz und des Wertesystems - scheinen vor allem die oben genannten Akteure beim Blick aufeinander zunächst vor allem die Unterschiede zueinander wahrzunehmen.

So zumindest die Erkenntnis, als Christoph Giesa von der OttoGroup und ich zum ersten Mal zu Beginn diesen Jahres im betahaus zusammen saßen und über “die Zukunft der Arbeit” redeten. Konzernpersonaler trifft auf Coworkingspace-Betreiber und es wird erstaunt festgestellt: da haben wir ja doch einiges gemeinsam. Müsste man da nicht mal was zusammen machen?
Vielleicht mit der vorsichtigen Hoffnung, dass geteiltes Leid halbes Leid ist, wuchs die Idee, Festangestellte aus dem OttoGroup-Konzern und die Welt der selbstständigen, gerne kreativen, oft digitalen Coworker Hamburgs in einem möglichst weit-gefassten, auf Austausch angelegten Projekt örtlich zusammenzuführen und zu sehen, welche Berührungspunkte sich ergeben.

Ansätze, Ideen, Wissen und Möglichkeiten wurden zusammengewürfelt und heraus kam eine gemeinsame Konzeptionswoche, die der folgende Film in knapp 5 Minuten zusammenfasst.

Otto Group, co-operations w/ betahaus Hamburg (english) from Family Affair on Vimeo.

Die Woche wurde außerdem begleitet durch inhaltliche Brückenbauer, wie Sascha Lobo, der bei einer Abendveranstaltung zu Beginn der Woche eine gemeinsame Diskussion zur Kooperation zwischen Konzernen und Selbstständigen auf den Weg brachte und Jeremy Abbett, Christian Riedel und Wolfgang Wopperer, die mit ihren Inspirationstalks für besondere Impulse sorgten – ebenso wie die Gründer von coffee circle.

Eine interessante Woche die mit der spannenden Frage endet: was bleibt?

Dass der Austausch zum Thema neue Arbeitswelten trotz der Kürze des Aufenthalts positive Impulse in der community des betahaus gesetzt hat, und dass tatsächlich Berührungspunkte entstanden sind, die ausgebaut werden können, zeigt zum Beispiel dieser kleine Einblick in das feedback von betahaus Usern:

Mein Fazit: Es würde mich freuen, wenn es weiter geht. Und vor allem, wenn es konkret wird. Erkundungstrupps zu senden ist eine Sache, konkrete Projekte zu stemmen eine andere. Gemeinsam neue Galaxien und unendliche Weiten entdecken, spannende Missionen zu starten – das wären schöne Fortsetzungen.“ (vollständiger Text hierValentin Heyde, Kommunikationsberater

Von Großkonzernen können wir Freelancer viel über die Arbeit und Methoden in großen Projekten lernen, die wir selber eher selten haben. Genauso können Konzerne über das betahaus flexibel auf eine große Menge freie Spezialisten zugreifen.” Matthias Krappitz, Softwareentwickler

Nach dem ersten Fühlerausstrecken würde ich also ganz vorsichtig wagen zu behaupten, dass aus anfänglich erhofftem halben Leid eher doppelte Freude geworden ist.
Das betahaus hat die Woche mit der Projektgruppe “Neue Arbeitswelten” der Otto Group als Dialog auf Augenhöhe erlebt. Entstanden ist ein aktiver Gedankenaustausch, wie man sich – trotz struktureller Unterschiede – beim Umgang mit dem beschleunigten Wandel zumindest im Bezug auf die Arbeitswelt unterstützen kann und die Zukunft der Arbeit mit den jeweiligen Möglichkeiten gemeinsam gestalten kann.

Fazit: Fortsetzung folgt.

One thought on “Geteilte Freude ist doppelte Freude – ein Testlauf in der schönen neuen Arbeitswelt

  1. Hallo Lena,
    auch ich fand den Tag super und es ist schade, dass ich nicht länger bleiben konnte. Das Betahaus ist super und das Video ist gut gelungen, finde ich :)
    Weiter so und wir sehen uns sicherlich bald nochmal!
    Gruß aus Bramfeld
    Tobias

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