Buchvorstellung im betahaus – die Dritte.
Wir nehmen mal ein Buch zum Anlass und laden euch zu einer Gruppentherapie ein – darüber wie wir alle so drauf sind, wieso das so ist und ob wir es vielleicht ändern sollten.
Es geht um „Wir haben keine Angst – Gruppentherapie einer Generation“ aus dem die Autorin Nina Pauer am Freitag den 21.10. ab 19.30 Uhr im betahaus liest – moderiert von Jörg Jelden und Lena Clausen.
Es war ja auch mal wieder Zeit, dass einer ein Buch über eine Generation schreibt. Florian Illies Buch ist ja nun schon über 10 Jahre her. Diesmal hat sich eben Nina Pauer die Mühe gemacht. „Wir haben keine Angst“ wurde im September veröffentlicht und die Medien stürzen sich drauf – weil uns endlich mal wieder was erklärt wird. Was bei Illies’ „Generation Golf“ die Geburtsjahrgänge um 1970 waren, sind bei Pauer die 1980er Jahrgänge – meine Generation.
In dem Buch begleiten wir Anna und Bastian durch ihre Alltag und ihre Therapiestunden. Anna und Bastian haben einiges mit vielen anderen von uns gemeinsam. Sie haben herausgefunden, dass es sich nicht lohnt, vor sogenannten Katastrophen Angst zu haben. BSE, Handystrahlen, Millenium-Bug, World of Warcraft, Rechtschreibreform. Wir haben sie alle unbeschadet überstanden – und können deswegen heute angstbefreit in die Zukunft schauen.
Doch, keine Erkenntnis ohne Aber: „Hinter unseren Hornbrillen sind wir gar nicht sooo entspannt, wie wir immer tun. Es ist mehr so eine nebulöse Angelegenheit. Es handelt sch dabei um etwas, das irgendwo, tief unter unseren Trainingsjacken nervös vor sich hin zittert.[...] Und egal wie laut wir unsere iPods drehen, hören wir es trotzdem noch. Was genau da für ein Tinnitus sein könnte, der unseren Gleichgewichtssinn da stört, wissen wir nicht.“
Ich bin auch 1980 geboren. Kein Wunder also, dass die beiden Charaktere mich an mich erinnern. Aber während ich das Buch in den letzten Tagen im Fitnessstudio abwechselnd auf dem Rad und dem Laufband lese, fühle ich mich regelrecht ertappt von den Details, mit denen die Autorin den Alltag von Anna und Bastian spickt:
Der Orthomol-Vorrat im Küchenschrank, Lebenkrisenhilfeversuche mit Ausflüge in die Yoga-Welt und in den Zen-Buddhismus, die unzähligen Weinflaschen, die wir mit unseren eigenen Eltern leeren, die Sinnfrage, die sich vor allem sonntags nachmittags aufzwängt, das allgegenwärtige Bewusstsein über unseren Komparativen Konkurrenzvorteil.
Und schliesslich die Angst davor, aus dem Druck heraus, alles richtig machen zu wollen, alles falsch zu machen. Wie Nina Pauer es ausdrückt: „Die Chance meiner Generation war schon immer gleichzeitig auch ihre Fluch: alles ist möglich.“
Also, was tun? Und wenn wirklich uns allen so geht? Mal ne Runde hinsetzten und drüber reden?
Denn: „Wie das Zauberwort heißt, steht schliesslich in jeder Frauenzeitschrift: Thematisierung.“
Ob Nina Pauer Recht hat? Naja, … man kann es ja mal ausprobieren. Ob ihr bei Bier, Wein oder Rhabarberschorle mit-thematisieren und -therapieren wollt, verratet ihr uns am besten auf facebook.
