Umfrage Freelancing in Hamburg: Die Ergebnisse

Rund um das Barcamp Hamburg hatte ich eine kleine Umfrage initiiert, die sich um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Freelancern in Hamburg kreiste. Bis zur dazugehörigen Session selbst hatten rund 35 Freelancer teilgenommen und wir hatten die Ergebnisse diskutiert. Ich hatte die Umfrage aber offen gehalten und mache nun wie versprochen (aber leicht verspätet) noch einmal eine Blogauswertung auf Basis von jetzt 48 Teilnehmern. Dabei kommen recht interessante Erkenntnisse zu Tage – wenngleich das natürlich immer noch keine vollkommen signifikante Menge an Teilnehmern ist.

Die Fragen und Antworten:

1. In welchem Bereich bis du freiberuflich tätig?

Erwartungsgemäß sind die Teilnehmer rund um ein Barcamp und im Kontext des betahauses weitestgehend aus dem Bereich Medien und Beratungsberufe. Das muss man bei den folgenden Ergebnissen natürlich berücksichtigen.

2. Wo arbeitest du in der Regel?

Diese Frage war für uns als betahaus natürlich nicht uninteressant. Fest steht, dass 81,2 % irgendwie noch im falschen Umfeld arbeiten – da ist Luft nach oben! ;-) Interessant ist, dass zumindest in Hamburg das Klischee vom digitalen Bohemian, der sich in Cafes tummelt und es “Arbeit nennt”, nicht den der Realität entspricht.

3. Wie viele Stunden arbeitest du in der Woche durchschnittlich (im gefühlten Jahresmittel)?

Auf den ersten Blick sieht man, dass rund zwei Drittel zumindest von der Stundenzahl recht normale Arbeitszeiten haben. Interessant ist, dass es nur einen gibt, der deutlich mehr als die übliche 40-Stunden-Woche arbeitet. Arbeitet man als Selbstständiger doch nicht nur selbst und ständig?

4. Wieviele Tage Urlaub gönnst du dir im Jahr?

Ihr seid sehr fleißig. Nur 25 % nutzen die Freiheit des selbständigen Schaffens und machen mehr Urlaub als Tarifvereinbarungen in Festanstellungen meist vorsehen. Die größte Gruppe ist sogar deutlich darunter. Offen ist natürlich, ob sie vor lauter Arbeit nicht dazu kommen oder ob das Geld schlicht nicht reicht.

5. Wieviele aktive Kunden hast du derzeit?

Selbständigkeit kann auch schnell zur Abhängigkeit werden, wenn man nur einen Kunden hat. Das betrifft unter den Teilnehmern nur 14,9 % – und auch da kann es natürlich projektbezogene Gründe haben.

6. Welchen Stundensatz berechnest du derzeit im Durchschnitt (bitte tatsächlichen Satz, nicht Wunschsatz)

Sicherlich die interessanteste Frage für alle, und auch mit dem interessantesten Ergebnis: Die Bandbreite ist erstaunlich groß, mit einer kleinen Fokussierung auf den Bereich 60-80 EUR. Aber offensichtlich lassen sich teilweise auch noch höhere Honorare durchsetzen, wobei man sicherlich zwischen Aufträgen von Agenturen und Unternehmen unterscheiden muss. In der Session auf dem Barcamp hatten wir die Umfrageergebnisse übrigens passenderweise mit der Session “Stundensatz verhandeln” von Coworker Jörn Hendrik zusammen mit Sanja von Nordpol zusammengelegt, wo wir das Thema noch vertiefen konnten.

7. Welchen Jahresgewinn vor Steuern erzielst du damit?

Auch hier gibt es eine große Spannbreite. Millionäre gibt es offensichtlich unter Hamburger Freelancern weniger, aber unter 20.000 EUR gibt es auch nur wenige – und bei denen kann es natürlich auch eine Teilzeitselbstständigkeit sein.

8. Arbeitest du eher auf eigenen Projekten oder als Freelancer in Unternehmen?

Nur um den Background abzurunden habe ich auch die Frage nach der Auftraggebergruppe gefragt, die deutlich zugunsten von Unternehmen geht. Die Frage ist aber evtl. auch etwas zu wenig differenziert gewesen – hier wäre noch ein Punkt “für Agenturen” hilfreich gewesen.

9. Welche Versicherungen hast du abgeschlossen?

Interesse- und fürsorgehalber hatte ich auch nach den abgeschlossenen Versicherungen gefragt. Die Krankenkassennennungen gehen ja beruhigenderweise gegenseitig auf. Aber in Sachen Altersvorsorge und vor allem die jederzeit mögliche Berufsunfähigkeit habt ihr mehrheitlich schlecht vorgesorgt. Hier der dringende Tipp, zumindest letzteres schnell zu überdenken, da der Staat da mittlerweile nur wenig bis gar nicht einspringt.

10. Wie siehst du deine Zukunft?

Wie auch immer es euch mit der Selbstständigeit geht – ihr scheint zu 90 % nicht mehr davon ablassen zu wollen, viele haben auch noch Größeres vor. Viel Erfolg dabei!

Falls ihr Beratungs- und Weiterbildungsbedarf habt lohnt übrigens immer ein Blick in unsere Events – und falls die 81,2 % mal Corworking-Luft schnuppern wollen geht es hier entlang zu unseren Angeboten.

One thought on “Umfrage Freelancing in Hamburg: Die Ergebnisse

  1. 1. erkenntnis: die befragten scheinen leicht überbordende betriebsausgaben zu haben, wenn man durchschnittliche wochenstunden, urlaubstage und stundensätze grob überschlägt, und dann mal’n blick auf den gewinn vor steuern wirft ;)