Julia Kottkamp
August 24, 2021
Julia enttüddelt Mobilés. Sie hilft Sinn-Suchenden, ihre erfüllende Tätigkeit zu finden. Schritt 1: Sich selber verstehen. Schritt 2: Sich ausdrücken können. Ihre Leidenschaft? Menschen, in ihrem Kern erkennen. Sie verbindet die Themen Purpose, Coaching, Personal Branding und Storytelling.

"2024 wollen wir so bekannt sein wie Rammstein, Kraftwerk und James Last."

Thomas Burhorn ist Gründer und Frontmann von der Techno-Marching-Band MEUTE und war mehrere Jahre betahaus-Mitglied. Er studierte Jazz-Trompete und Kulturmanagement in Hamburg. Neben Thomas bilden zehn weitere Profi-Musiker das Team auf der Bühne. Aber natürlich gibt es auch die Crew dahinter – aktuell sechs Teammitglieder für Management und PR, Produktionsleitung und Tonmanagement, Merchandise, Misch- und Lichttechnik. In einem Interview von 2019 haben wir uns mit Thomas für einen gemütlichen Schnack im betahaus getroffen.

Was war dein erstes Erlebnis mit Musik, an das du dich immer noch erinnern kannst?

Ich erinnere mich an eine Situation, bei der ich bei meinem Vater auf den Schultern saß und wir auf einem Altstadtfest einer Oldtime Jazz Band zuhörten, die mitten auf der Straße spielte. Das fand ich irre cool. Und auch die Trompete fand ist damals schon toll. Die Idee auf der Straße Musik zu machen, hat sich dann für mich durchgezogen: Mit neun oder zehn Jahren habe ich alleine auf meiner Trompete Weihnachtslieder auf der Straße gespielt. Da habe ich in einer Stunde fast 100 Mark verdient. Ich konnte nicht besonders gut spielen, aber die Leute fanden es wohl ganz niedlich.

Was ist für dich das Besondere daran, auf der Straße zu spielen?

Auf der Straße geht es um die echte Performance. Das Publikum, das auf der Straße stehen bleibt, steht da nicht aus Höflichkeit. Im Konzertsaal kommst du ab einem gewissen Punkt nicht mehr aus der Nummer raus und bleibst dann halt sitzen. Aber auf der Straße musst du als Musiker die Leute wirklich überzeugen. Das Straßenpublikum ist also ein sehr ehrliches Publikum.

Dem Musizieren auf der Straße bleibst du ja nun treu. Wie entstand die Idee zu MEUTE?

Ich habe eine riesengroße Liebe zu elektronischer Musik. Da spielt ein DJ und alle flippen aus. Irgendwann dachte ich, wie viel geiler das noch wäre, wenn da jetzt zehn Leute stehen würden und diese Musik in live und echt spielen würden. Ich dachte also sehr lange: "Man müsste mal." Irgendwann ist mir dann bewusst geworden, dass wenn das jetzt wirklich mal jemand machen würde und es dann toll wäre, ich mich schon ein bisschen ärgern würde, dass ich es dann nicht war. Und dann wurde mir klar: Ich kann Trompete spielen, ich kenne jede Menge Musiker, ich weiß wie man Noten schreibt. Außerdem habe ich schließlich mal Management studiert und auch mal ein wenig über die nachhaltige Inszenierung einer guten Marke gelernt. Und so kam ich langsam zu der Überzeugung, dass ich mir doch mal den Stress aufhalsen sollte und es einfach probieren sollte.

Was waren dann die nächsten entscheidenden Schritte?

Erstmal habe ich am Computer ausprobiert, wie das klingen könnte. Und dann habe ich einzelne Sequenzen mit der Trompete und der Tuba eingespielt. Der zweite wichtige Schritt war dann, mit ein paar Musikern wirklich ins Studio zu gehen und das gemeinsam auszuprobieren.

Und das hat geknallt?

Ja, ziemlich. Das waren zum größten Teil Leute, mit denen ich vorher schon mal Musik gemacht hatte und die ich teilweise noch aus der Schule kannte. Wir machen alle hauptberuflich Musik, aber neben MEUTE immer auch noch in anderen Projekten von Pop bis Jazz, klassische Musik, Hip-Hop bis Heavy Metal.

Was würdest du sagen, ist heute der Schlüssel eures Erfolgs?

Ich glaube unsere Musik berührt die Leute ganz tief. In der ersten Reihe sehe ich oft Leute, die tatsächlich weinen. Diese Art von Musik ist derart auf das Wesentliche reduziert, das sie etwas sehr Archaisches hat. Dazu kommt unsere Lebensfreude auf der Bühne und die Energie, die auch unsere Instrumente ausstrahlen. Und dann ist es vielleicht noch etwas ganz anderes – quasi eine gesellschaftlich, philosophische Botschaft:

Denn in einer Zeit, in der gesagt wird, dass die Roboter den Menschen die Arbeit weg nehmen, machen wir mit unserer Band die Roboter arbeitslos. Wir drehen den Spieß um und zeigen, dass wir vielleicht weniger perfekt sind, aber dadurch auf eine andere Art und Weise super.
Foto: Jennifer Schmid

Dass ihr anders super seid, sieht man schon alleine an euren knallroten Jacken. Wie kam es eigentlich dazu?

Ich glaube das war tatsächlich noch ein Meilenstein beim Start von MEUTE. Die roten Jacken sind die ehemaligen Jacken vom Verein der Ludener Spielleute und ich habe sie durch Zufall auf Ebay Kleinanzeigen gefunden. Diese Jacken geben uns heute unsere Identität und machen das Ganze noch plakativer. Sie geben Drive und verleihen uns als Marke Kraft.

Wie wichtig ist es, dass du als gelernter Kulturmanager MEUTE nicht nur musikalisch sondern eben auch strategisch geplant hast? Geht da nicht ein bisschen Romantik flöten?

MEUTE ist mein riesiges Herzensprojekt. Aber das schließt für mich nicht aus, etwas auch mit dem Verstand durchzuführen. Im Bereich der Werbung habe ich gelernt, dass Marken, die auf sehr klare Botschaften herunter zu brechen sind, am erfolgreichsten sind. Und so entstand die Positionierung als "Techno-Marching-Band". Ein Spielmannszug spielt Techno, das versteht einfach jeder. Die Jacken helfen uns da immens. Sie sind wie eine Art Verkleidung. In ihnen dürfen wir ein bisschen Rockstar spielen und das macht die Persönlichkeiten paradoxerweise sogar noch authentischer.

Wo wollt ihr mit MEUTE hin?

Wir wollen eine der fünf oder zehn relevantesten Bands aus Deutschland sein, die man im Ausland kennt. Damit stehen wir dann in einer Reihe mit Rammstein, Kraftwerk, James Last und Moderat.

Und wann seid ihr da?

2024. Haben wir uns zumindest vorgenommen – aber natürlich immer mit einem Augenzwinkern.

Foto: Janine Meyer

Was würdest Du anderen Leuten sagen, die noch Grübeln: Wann ist Zeit für Herz und wann ist es Zeit für Kopf?

Ich finde es ist immer beides gefragt. Und daneben gibt es ja auch noch den Bauch. Das Bauchgefühl ist immer gefragt, denn der Bauch hat immer Recht. Ich folge also zuerst meinem Herzen, fühle dann mit dem Bauch nach ob das Herz auch Recht hat und mache dann nach Möglichkeit mit Köpfchen weiter.

Warum hast Du mit MEUTE im betahaus angeheuert und was vom betahaus sollte jedes andere Büro auch haben?

Ich mag die familiäre Stimmung hier. Hier macht jeder sein Ding und es ist so ein herrliches leben und leben lassen. Und man wird hier mit den unterschiedlichsten Dingen konfrontiert und hat einen wirklich inspirierenden Austausch – beruflich, aber durchaus auch privat.

Das Ungezwungene und trotzdem Verbindliche zwischen den Coworkern würde jedem Büro auf der Welt gut tun. Und das Menschliche.

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