Feena Fensky
November 8, 2021
Feena Fensky ist Stadtanthropologin und Vorstandsmitglied der Neues Amt Altona eG. Fotocredit: Joy Kroeger Fotografie

Genossenschaftliches Coworking im Neuen Amt Altona

Das Neue Amt Altona ist das erste Coworking-Haus in Hamburg, das seinen Nutzer:innen gehört. Das wegweisende, genossenschaftliche Bauprojekt schafft Raum für neue gemeinschaftliche Arbeitsmodelle und Begegnungen im Stadtteil. Die Eröffnung ist für 2023 geplant.

WIE ALLES BEGANN...

Im Herbst 2018 erfuhren Robert Beddies, Cornelius Voss, Julian Meisen und Hans von Bülow, dass das Alte Finanzamt Altona im Rahmen eines Konzeptverfahrens zum Kauf ausgeschrieben war. Sie sahen eine einmalige Chance darin, an diesem Ort ihre Überlegungen rund um eine neue Art der Stadtentwicklung Wirklichkeit werden zu lassen und einen Ort geschaffen, der seinen Nutzer:innen gehören kann: Das Neue Amt Altona. Ihr Konzept konnte überzeugen und sie erhielten den Zuschlag, mit einer neu gegründeten Genossenschaft das Alte Finanzamt Altona zu kaufen und das Neue Amt Altona zu bauen. 

Credit: Common Agency


UNSER KONZEPT

Das Neue Amt Altona basiert auf der Verbindung von Coworking und Genossenschaft und schafft so eine neue Form des Zusammenarbeitens. Es bildet eine Plattform, auf der sich die Mitglieder mit ähnlichen Werten und zugleich ganz unterschiedlichen Hintergründen begegnen, austauschen und von wo aus sie gemeinsam Neues entwickeln und umsetzen. Was sie alle verbindet, ist der Glaube an das kreative Potential kooperativen Arbeitens.

Das Alte Finanzamt Altona ist schon seit 2007 kein Finanzamt mehr, sondern wurde über 10 Jahre durch Kreativschaffende zwischengenutzt - ohne klare oder sichere Perspektive. Am Ende eines langwierigen politischen Prozess wurde entschieden: Das Alte Finanzamt wird verkauft, aber die bestehenden Mietverträge müssen für weitere 10 Jahre garantiert werden. 

Wir stärken die Stärken des Ortes und bauen sie weiter aus. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Wir sichern die bestehenden Mietverträge nicht nur auf 10 sondern auf 20 Jahre. Die Neues Amt Altona eG kauft die Immobilie und das Grundstück und nutzt das Neubaupotential im südlichen Teil des Grundstücks. Hier entsteht ein architektonisch wertvoller, hölzerner Neubau mit 1.600 m2 genossenschaftlich organisiertem Coworking. Das öffentliche Erdgeschoss verbindet Alt- und Neubau – und die Nutzer:innen des Gebäudes mit den Anwohner:innen und Besucher:innen aus dem Stadtteil und ganz Hamburg.

Wichtigster Partner für den Neubau ist das betahaus Hamburg. Hier ist die Idee zum Neuen Amt in Gesprächen zwischen unserem Architekten und Vorstand Cornelius Voss und dem betahaus-Geschäftsführer Robert Beddies entstanden. Und von hier kommt die gebündelte Expertise rund um das Coworking-Angebot, weshalb das betahaus auch als Coworking Dienstleister im Neuen Amt fungieren und von Beginn an als Partner in die Gestaltung des Coworking Space einbezogen wird.
Infostand beim 10-jährigen betahaus Jubiläum.


AUS EINER IDEE WIRD WIRKLICHKEIT

Der Beginn unserer Fundraising-Kampagne fiel mit der Corona-Pandemie zusammen und viele Veranstaltungen konnten nicht wie geplant stattfinden. Dank großartiger Netzwerke und Medienberichte konnten wir trotzdem im Laufe des Jahres viele neue Mitglieder gewinnen – und schafften es, den ersten großen Meilenstein zu erreichen: das Eigenkapital für den Kauf des Grundstücks und des Altbaus.

Momentan befinden wir uns mitten in der Umsetzungsphase. Alle – bisher eher theoretischen – Konzepte werden nun mit Leben und Inhalten gefüllt und in konkreten zeitlichen Abläufen gedacht. Hierbei spielt auch die Beteiligung unserer Mitglieder eine große Rolle. Ende Mai 2021 wurde die Eintragung der Genossenschaft vollzogen, wodurch viel Sicherheit in das gesamte Projekt gebracht wurde. Ende 2021 werden wir als Genossenschaft das Grundstück und den Altbau kaufen. 


OHNE MITGLIEDER KEIN NEUES AMT!

Der wichtigste Baustein bei der Realisierung des gesamten Vorhabens sind hierbei unsere Mitglieder. Denn ohne Mitglieder gäbe es keine Genossenschaft. Und ohne Eigenkapital, das die Mitglieder über ihre Anteile stellen, gäbe es keine Finanzierung. Innerhalb der Genossenschaft gibt es zwei Arten von Mitgliedschaften im Neuen Amt: nutzende und investierende Mitglieder.


Nutzende Mitglieder haben die Möglichkeit, ab Eröffnung die Flächen des Neuen Amts gegen eine monatliche Gebühr zu nutzen – hierin sind z.B. Internet, Konferenzraum- und Druckernutzung, der Zugang zu diversen Veranstaltungen sowie der Support durch die Community Manager:innen inbegriffen. Nutzende Mitglieder haben ein Stimmrecht auf der Generalversammlung und können ihren späteren Arbeitsplatz aktiv mitgestalten. Jedes Mitglied hat dabei genau eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Einlage.

Credit: Common Agency


Investierende Mitglieder unterstützen die Genossenschaft, ohne den Neubau selbst zu nutzen. Dafür profitieren sie von der Verzinsung ihrer Anteile: Die Einlagen der investierenden Mitglieder werden mit mindestens 1,5% p.a verzinst. Die Zinsen werden unter anderem aus den Einnahmen der Vermietung der Coworking- und Veranstaltungsflächen sowie aus dem Gastronomiebereich finanziert. 


AUSBLICK: SO GEHT ES WEITER

Zurzeit arbeiten wir auf das nächste große Ziel hin: weitere 1 Mio. Euro Eigenkapital für die Realisierung des Baus. 


Darüber hinaus haben wir im Oktober unseren NAA Pop-Up Space in der Neuen Großen Bergstraße eröffnet. Dieser soll in den Monaten bis zum Abriss und Baubeginn folgenden Aspekten dienen: 

  • der Erprobung von Nutzungskonzepten für das neu entstehende Erdgeschoss,
  • der Sichtbarkeit des NAA gegenüber Anwohner:innen und Passant:innen,
  • der Anwerbung neuer Mitglieder,
  • der Vernetzung mit Akteur:innen und Initiativen vor Ort
  • sowie der Begegnung der Genossenschaftsmitglieder untereinander und der gemeinsamen Arbeit an für die Mitglieder relevanten Themen.


Ein weiteres großes Thema ist unser Erdgeschoss. Bis zum 31.12.2021 suchen wir per Konzeptverfahren eine:n oder mehrere Betreiber:innen für die neu entstehenden Erdgeschoss-Flächen. Konzepte können für das ganze Erdgeschoss oder für Einzelflächen eingereicht werden und können zum Beispiel Gastronomie-, Kultur- und Bildungsangebote umfassen.

Das Konzept sollte in das Gesamtkonzept des Hauses passen – im Gegenzug profitiert der/ die spätere Betreiber:in von Mietpreisen unter Marktniveau, die wir durch die genossenschaftliche Eigentümerstruktur ermöglichen können. Alle Infos dazu gibt es hier.

Credit: Common Agency


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