Eli Lewandowski
August 24, 2021
Nach einem Volontariat in einer Hamburger Agentur wechselte Eli 2019 ins betahaus-Team und kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Kommunikation zu tun hat: Newsletter, Social Media, Website, Magazin uvm.

Die Story hinter...Shift Brazil 14/16

Wusstet ihr schon, dass wir eine kleine Foto-Ausstellung im betahaus beherbergen? Das Projekt Shift Brazil 14/16 findet ihr in den Räumlichkeiten unserer Event-Etage im 1. OG in der Schanze. Wir haben bei der Fotografin Janine Meyer nachgehakt, was es mit der Arbeit auf sich hat und mit ihr über ihre Arbeit als freie Fotografin gesprochen.

Erzähl mal - wer bist du und wie ist deine Verbindung zum betahaus?

Ich bin Janine, komme ursprünglich aus dem Bremer Raum und lebe und arbeite nun seit 7 Jahren als freiberufliche Fotografin in Hamburg.

Nachdem ich 2014 mein Fotografiestudium in Bremen mit dem Diplom abgeschlossen habe, habe ich im betahaus im Café angefangen in Teilzeit zu arbeiten, um neben meiner freien Tätigkeit ein festes Standbein zu haben. Wegen der netten Kolleg*innen und des einzigartigen betahaus Spirits bin ich nach nun fast 6 Jahren immer noch hier. Inzwischen kümmere ich mich um die Member Administration und Abläufe am Frontdesk.

Credit: Michael Schwarze


Womit beschäftigst du dich als Fotografin beruflich?

An der Kunsthochschule in Bremen habe ich unter Prof. Peter Bialobrzeski studiert. Demnach habe ich mich lange mit konzeptioneller und dokumentarischer Fotografie beschäftigt. In meiner beruflichen Tätigkeit liegt mein Fokus auf Reportage und Portrait im Corporate und Editorial- Bereich, d.h. ich arbeite für Unternehmen und Magazine. Darüber hinaus fotografiere ich immer mal wieder freie konzeptionelle Strecken, die ich anschließend Magazinen zur Veröffentlichung anbiete. 


Was fasziniert dich an deinem Beruf am meisten?

Mein Interesse an der Fotografie habe ich zum Ende meiner Schulzeit entdeckt, wo ich an einer AG teilgenommen habe, in der wir in der Dunkelkammer unsere eigenen Fotos entwickelt haben.

An der Fotografie fasziniert mich, dass sie eine universelle Sprache ist, mit der wir überall auf der Welt kommunizieren können.

An meinem beruflichen Alltag als Fotografin gefällt mir, dass er sehr abwechslungsreich ist. Man trifft stets auf neue Leute mit spannenden Geschichten und hat immer mit neuen Themen und Branchen zu tun, die den Beruf nie langweilig machen.

Foto: shift Brazil 14/16


Wie ist das Projekt Shift Brazil 14/16 entstanden und warum habt ihr euch gerade mit diesem Thema auseinandergesetzt?

Während meine Studiums habe ich mich 2012 mit Kommiliton*innen in Form einer AG zusammengeschlossen, weil wir gemeinsam das Interesse an einer großen fotografischen Arbeit hatten, die vom Umfang her über eine normale Semesterarbeit hinausgehen sollte.

Wir waren uns sofort einig, dass es eine politische Arbeit werden sollte und haben erstmal angefangen nach Themen zu recherchieren. Wir sind dann schnell bei den bevorstehenden Megasportevents in Brasilien gelandet. 2014 fand dort die FIFA Weltmeisterschaft und zwei Jahre später die Olympischen Spiele statt. Unsere Idee war es mit Shift Brazil 14/16 die sozialen und urbanen Veränderungen fotografisch zu untersuchen.

Foto: shift Brazil 14/16

Am Anfang gab es die Idee; einen Grundgedanken, der durch intensive Recherche, einen großen Haufen Eigeninitiative, etwas Naivität oder Wagemut, schlaflose Nächte und viele Unterstützer*innen fast ein Jahr später Realität wurde. Im Februar 2013 landeten wir in Brasilien, wo hauptsächlich mit analoger Großformat-Technik, ergänzt durch digitale Technik, der fotografische Prozess begann. 

Das Thema war für uns deshalb so spannend, weil es repräsentativ für solche Megaevents steht. Solche riesigen Sportereignisse gehen oft mit Menschenrechtsverletzungen und finanziellen Unverhältnismäßigkeiten daher, die man nicht nur in Brasilien, sondern beispielsweise auch in Katar oder China beobachten konnte.


Was war das Ziel euer fotografischen Arbeit?

Das Ziel unserer Arbeit war es nicht mit vorgefertigten Bildern im Kopf nach Brasilien zu reisen und diese abzuarbeiten. Wir wollten uns ein eigenes Bild von der Situation machen. Der Kontakt und Austausch mit den Menschen vor Ort war uns besonders wichtig. "Erzählt uns eure Geschichte und wir versuchen damit fotografisch umzugehen."

Die Arbeit analysiert und kommentiert die sozialen und urbanen Veränderungen im Vorfeld der Sport- Events. Sie ist Schnittpunkt von Dokumentation und Inszenierung, von Fiktion und Analyse abseits der medientypischen kontrastierenden Reproduktionen, die rühren und einnehmen und keine Fragen offen lassen. Wir geben keine klaren Antworten, doch lassen unsere Bilder Raum zur Reflexion. Durch den Austausch mit den unzähligen Menschen, die wir trafen oder kennenlernten, ist uns die Dimension der Thematik erst bewusst geworden. In unserer Fotografie wollten wir die Komplexität und Vielschichtigkeit bewahren. Sie verschmilzt Portraits von Menschen mit Portraits der urbanen Landschaft und Inszenierungen von Menschen im urbanen Raum, die als perspektivische Synthese unserer Protagonist*innen und unser selbst zu verstehen sind.

Foto: shift Brazil 14/16


Wie ging es nach Ende eurer Reise mit den sozialen und urbanen Veränderungen und Umstrukturierungen vor Ort weiter?

Die Bulldozer und Bagger standen auch nach unserem Besuch nicht still. Abrissbirnen schafften Platz für Parks, Parkplätze, Sportstätten und Umgehungsstraßen. Die Wut, die sich bereits in den Jahren davor seit Beginn der Bauarbeiten aufgestaut hatte, entlud sich in den Straßen. Viele Bewohner*innen der Großstädte Brasiliens protestierten gegen Investitionen in Prestigeobjekte, den Wertezuwachs, der sich in unzähligen Vierteln verzeichnen ließ, gegen Korruption und die Unterdrückung sozialer Bewegungen. Sie sind eingetreten für u.a. Investitionen in medizinische Versorgung, das Bildungssystem, und vor allem ein Recht auf Wohnraum, der ihnen nicht selten gesetzeswidrig genommen wurde.

Foto: shift Brazil 14/16

Auch die Truppen der Polizei ruhten nicht. Die Regierung befürchtete, dass sich Massendemonstrationen vor der Weltmeisterschaft, ähnlich wie im Juni während des Confederation-Cups, wiederholen. Damit sollten sie Recht behalten. Die Sicherheitspolitik rüstete auf, Sondereinheiten unterstützten die Militärpolizei dabei, um mögliche Proteste in den Austragungsorten der Fußball Weltmeisterschaft zu verhindern. 


Hast du ein Lieblingsbild in der Arbeit?

Das ist schwer zu sagen. Da es sich aber ja um eine Gruppenarbeit handelt, verbinde ich mehr Emotionen zu den Motiven, an denen ich selbst fotografisch mitgewirkt habe. Wir waren ja insgesamt 9 Fotograf*innen und haben uns vor Ort in drei Gruppen aufgeteilt, von denen zwei in Rio den Janeiro und eine Gruppe in Sao Paolo tätig war. Ich selbst war in Rio de Janeiro, wo wir viele Favelas besucht und mit den Menschen dort gesprochen haben. Das waren oft sehr emotionale Begegnungen und die Tatsache wie mit den Menschen dort umgegangen wurde, hat uns einfach nur sprachlos gemacht. Ein Motiv, das mich sehr berührt, ist auf der großen Eventfläche, dem Open Space, zu finden.

Auf dem Bild ist ein Mädchen zu sehen, das neben dem Hab und Gut der Familie sitzt. Die Siedlung, in der die Familie wohnte, sollte umgesiedelt werden, weil ihre Häuser zufällig dort standen, wo man Parkplätze für die Olympia Stätte errichten wollte. Die Anwohner*innen erfuhren von dem Abriss ihres Hauses lediglich durch eine Nummer, die von Regierungsseite an ihre Häuser gesprüht wurden und sind ihrem Schicksal somit ausgeliefert.

Foto: shift Brazil 14/16


Mit welchen Projekten beschäftigst du dich aktuell?

Aktuell beschäftige ich mich mit weniger komplexen Themen, da es die Zeit momentan nicht hergibt. Zuletzt habe ich klassische Partykeller der 70er Jahre und die obligatorischen Klamottenablagestühle fotografiert und in verschiedenen Magazinen und Tageszeitungen veröffentlicht.


Mehr über Janines Arbeiten findet ihr auf janinemeyer.info.

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